Über den Gauner und mein liebes Geld

Liebe Anna!

 

Aktuell befinde ich mich in einer äußerst herausfordernden Situation, da ich beruflich im letzten Jahr mit einem herausragenden Gauner zu tun hatte. Herausragend deshalb, weil er die Eigenschaften eines Blenders mit viel  angelesenem Fachwissen geschickt kombiniert und mit Werten, die er zwar deutlich formuliert dann aber deutlich nicht realisiert, hübsch in Szene setzt. Es tut mir wirklich leid, zugeben zu müssen, dass ich in diesem Fall nicht meinem innersten Gefühl gefolgt bin, sondern mich in seinen mir schmeichelnden Bann ziehen lassen habe. Mein kleiner Trost ist, dass ich mittlerweile herausgefunden habe, dass bereits vor mir und auch gleichzeitig mit mir einige sehr kluge Leute ebenfalls in sein Fettnäpfchen, besser gesagt Gelnäpfchen - in sarkastischer Anlehnung an sein kennzeichnendes Haupthaar, getreten sind.

Lange Rede kurzer Sinn: unsere Wege haben sich getrennt und für Leistungen, die ich im Namen seiner Firma für eine andere Firma erbracht habe, behält er sich mein Honorar ein. Seine schriftliche Begründung: ich sei niemals von seiner Firma beauftragt worden, für sie zu arbeiten. Was ich auch schriftlich habe, ist das genaue Gegenteil inklusive ein von ihm erstelltes Fotoprotokoll, das meine erbrachten Leistungen im schönsten Blitzlicht zeigt. 

 

Abgesehen von dem finanziellen Schaden, der mir dadurch entstanden ist, bringt eine derartige Verhaltensweise mein Blut inklusive meiner Emotionen und der daraus resultierenden Phantasien in gefährliche Wallung.  Die Angelegenheit habe ich mittlerweile meinem Rechtsanwalt übergeben. Auf Aufforderungen seinerseits reagiert er nicht, möglicherweise ist er in seinen Geltopf gefallen und klebt darin jetzt fest.

Der nächste Schritt wäre nun, das ganze vor’s Gericht zu bringen. Das bringt allerderings einiges mit sich, worauf ich überhaupt keine Lust habe bis hin zu der Frage, ob seine Firma denn fähig sein wird, mein Honorar zu begleichen oder ob sie bis dahin schon insolvent sein wird und ich dann noch auf diversen Gerichtskosten sitzen bleiben würde. Klagen oder nicht klagen? Warum sollte ich auf mein Geld verzichten? 

 

Ich liege also im Bett und kann nicht schlafen, weil mich diese offene Entscheidung quält und was mich noch mehr quält, ist der Gedanke, dass Gauner resp. Lügenmenschen wir er einer ist, immer wieder ungeschoren davon kommen. Apropos ungeschoren….

Da wäre schon etwas, das  mir ein bisschen Befriedigung verschaffen würde: Die Vorstellung, ihm während seiner nächsten Zen-Meditation, die er gerne aus marketingstrategischen Gründen in den sozialen Medien postet, mit der Rasierklinge in sein Haupthaar ein paar schöne Bahnen zu ziehen zu lassen. 

 

Puh….  ich würde sagen: aktuell bin ich eindeutig nicht in meiner Mitte. In mir spüre ich keine Ruhe, keinen Frieden, keine Harmonie, sondern etwas, das mich einengt bzw. Rachegelüste in mir weckt. Ich weiß: so will ich mich nicht fühlen, so habe ich auch keine Energie für die Dinge, die auf meinem Horizont stehen. So drehen sich meine Gedanken den ganzen Tag und die halbe Nacht um Ungerechtigkeiten, den Gauner, das Geld, Rasierklingen, Geltöpfe, Anwälte, Richter und dergleichen. Das macht mich weder leicht, noch fröhlich, noch konstruktiv und schon gar nicht produktiv. 

 

Ich liege also noch immer in meinem Bett und mir fällt ein, meine EigenSchwingung zu befragen, was sie denn gerne möchte. Sie gibt mir die Information, dass sie sich einfach ausdehnen und ausdrücken möchte, dass es allerdings grad sehr eng um sie herum ist. Sie möchte gestalten und schreiben und mit netten Menschen arbeiten und mit unseren Kindern Spaß haben und sie möchte lieben. 

 

Ihr sei es auch völlig egal, ob die Sache gerecht oder ungerecht sei, denn was auf der Welt ist schon gerecht oder ungerecht? Aus der Perspektive der EigenSchwingung gibt es dieses Thema nicht. Gerechtigkeit ist in diesem Fall eine Angelegenheit des Verstandes, der das ganze nur in einem eingegrenzten Rahmen betrachtet.

 

Aber ist es vielleicht so, dass ich hier in meinem Zuhause nur deshalb ein so schönes Leben führen kann und viele Annehmlichkeiten habe, weil jemand anderer, egal aus welcher Zeit und von welchem Ort, viel weniger bekommen hat, als er empfangen hätte sollen?

Wer weiß das schon?

Da bleiben mir nur Dankbarkeit und Demut für alles, was mein Verstand nicht fassen kann. 

 

Dankbarkeit und Demut, die aus meinem Herzen fließen für alles unfassbar Schöne und die Magie in meinem Leben. Es beginnt jetzt, wieder weit und ruhig und fließend in mir zu werden. Der Gauner wird immer kleiner, nebensächlicher, blasser und ich stelle fest,  Zeit und Energie in Streitigkeiten mit ihm zu investieren, hat nichts mit dem zu tun, was auf meinem Horizont steht. Ich finde meinen Schlaf und freue mich darauf, morgen früh meine Energie auf Aktivitäten auszurichten, bei denen mir warm um’s Herz wird und die mein Wesen heller strahlen lassen.

 

Möge er geschoren oder ungeschoren davonkommen und möge mein Geld auf Umwegen jenen zufließen, für die es bestimmt ist. Er wird keine Freude daran haben können, davon bin ich überzeugt. Denn ergaunertes Geld und Lügen machen keinen Spaß. Nicht mal den schmerzbefreitesten Lügenmenschen der Welt. Das soll mir für’s erste Genugtuung genug sein. 

 

Soweit, dass ich ihn in Licht und Liebe einhülle und ihm in vollster Gelassenheit alles Gute wünsche, bin ich noch nicht. Bilder, die ihn zeigen, wie er in seinem Geltopf verkehrt rum feststeckt,  zaubern mir bisweilen schon ein Lächeln ins Gesicht. Momentan ist das aber auch nicht mein Ziel. Ich muss ja nicht unbedingt heilig gesprochen werden. Ich verwende die Wutenergie einfach nicht gegen ihn, sondern setze diese Kraft, die in ihr steckt, für mich ein. Für das, was auf meinem Horizont steht. Und da lese ich: „Ein Buch veröffentlichen“.

Somit hat er mir wertvolles Material geliefert für eine anschauliche Geschichte im Umgang mit der EigenSchwingung und dem Egokreis.

Bleibt zum Schluss die Dankbarkeit.

 

Bis bald, liebe Anna!

Es hat gut getan, mir das von der Seele zu schreiben!

Bin gespannt, wie du die Sache siehst.

Ich freu' mich jedenfalls schon auf unseren nächsten Haferhäferlkaffee.

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Kommentare: 1
  • #1

    Antje (Freitag, 11 Dezember 2020 08:54)

    Liebe Doris,

    wow. ein toller Brief, mit toller Sprache, die zum Teil sehr witzige Bilder im Kopf entstehen lassen.